Gute Idee, unerwartete Entwicklung

Das Bundesgerichtsurteil von 2019 sollte pflegende und betreuende Angehörige stärken. Ziel war es, Menschen, die ihre Liebsten zu Hause pflegen, finanziell zu entlasten und ihre wertvolle Arbeit anzuerkennen. Angehörige sollten sich bei Spitex-Organisationen anstellen lassen können und für ihre Pflegeleistungen eine faire Entlohnung erhalten. Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Wertschätzung und Entlastung dieser Familien getan.

Was als Unterstützung für Familien gedacht war, hat aber in der Betreuung von Senioren zuhause zu einem regelrechten Boom neuer Geschäftsmodelle geführt, die Krankenkassen und Prämienzahler teuer zu stehen kommen.

Wie komplexe Betreuungsstrukturen das Gesundheitssystem belasten

  • Private Spitex-Firmen wachsen wie Pilze aus dem Boden: Seit dem Bundesgerichtsurteil 2019, das pflegenden Angehörigen erlaubt, sich bei Spitex-Organisationen anstellen und bezahlen zu lassen, sind zahlreiche private Spitex-Firmen entstanden. (Quellen: bzbasel.ch, AZ)
    Allein zwischen 2019 und 2023 stieg die Zahl privater Spitex-Organisationen um 66% von 299 auf 447. Nicht nur, um pflegende Angehörige zu entlöhnen, sondern um auch andere Pflegeleistungen kostspielig abzurechnen – zu Lasten der Prämienzahler.
  • Heimvorteil: Für die private Spitex ist es ein besonderer Vorteil, dass sie die Bedarfsabklärung gleich selbst durchführt und so dem Umfang von Pflege und Haushaltshilfe anordnet, um die erbrachten Leistungen direkt mit der Krankenkasse abzurechnen.
  • Ein doppelt lukratives Geschäft: Das Gesetz dient nicht nur dazu, pflegende Angehörige zu entlöhnen, sondern Betreuerinnen auszubilden und als Spitexmitarbeiterinnen anzustellen, bzw. zu verleihen. Ein doppelt lukratives Geschäft, weil zuerst für die Ausbildung kassiert wird und anschliessend mit dem Verleih.
  • Deutlicher Kostenanstieg: Laut SRF stiegen die Privat-Spitex-Kosten, die von den Krankenkassen getragen werden, im Jahr 2023 um 7,9 %, im Jahr 2024 sogar um 10 %. Diese Zuwächse übertreffen die allgemeine Kostenentwicklung im Gesundheitswesen deutlich.
  • Komplexe Tandem-Strukturen: Der wichtigste Kostentreiber ist die Zusammenarbeit zwischen privaten Spitex-Firmen und Personalverleihagenturen – und nicht die Entschädigung pflegender Angehörigen!
    Diese sogenannten Tandem-Modelle enthalten zusätzliche administrative Schnittstellen, höherem Koordinationsaufwand und letztlich hohe Kosten – ohne dass die Qualität der Pflege zwangsläufig verbessert wird. (Quelle: Careum Hochschule Gesundheit)

Das Modell „Agentur & private Spitex“

  • Die Betreuerin / der Betreuer hat zwei Verträge, einen mit der Agentur, einen mit der Spitex. Den Lohn erhält die Betreuungsperson von der Agentur.
  • Die ärztlich verordnete Zeit wird von der Betreuungsperson zuhanden der Spitex rapportiert.
  • Für die rapportierte Zeit stellt die Spitex Rechnung an die Krankenkasse. Die Stundenansätze der Spitex variieren je nach Kanton von 52.- bis 92.- CHF
  • Die Krankenkasse vergütet die rapportierte Leistung an die Spitex.
  • Die Agentur stellt dem Kunden Rechnung über den vertraglich vereinbarten Betrag. Dabei werden Sunden Ansätze von 65 bis 92 CHF, am Sonntag bis 150 CHF verrechnet, die sich Agentur und Spitex teilen. 
  • Diese Lösung ist nicht nur kompliziert und umständlich, sondern verursacht grossen administrativen Aufwand, der die Betreuung unnötig verteuert.

Das Modell Vermittlung durch Pro Senex

  • Preiswerte und transparente Betreuungslösungen mit einem durchschnittlichen Stundenansatz von 32.- bis 40.- CHF
  • Stellenspezifische Rekrutierung von Betreuungspersonal mit passender Erfahrung und gutem Deutsch
  • Persönliche Bezugspersonen (in der Regel zwei Betreuerinnen im 2-Monats-Turnus)
  • Einfache Abwicklung mit nur einem Vertrag – keine Doppelstrukturen
  • Rascher Aufbau eines familiären Vertrauensverhältnisses
  • Eine echte und preiswerte Entlastung für Angehörige
Kriterium Verleih-Agentur
& private Spitex
Vermittlungsagentur
Pro Senex
Vertragsstruktur Zwei Verträge (Agentur & Spitex) Ein Vertrag
Abrechnung Sehr komplex, intransparent Einfach, transparent
Stundenansätze 65 - 150 CHF 32-40 CHF
Bezugspersonen Wechselnd Feste Bezugspersonen
Administrativer Aufwand Sehr hoch Gering
Organisation Komplex, mehrere Schnittstellen Klare Struktur

Fazit

Das Modell der Privat-Spitex hat sich nach der neuen Gesetzgebung als besonders lukrativ erwiesen. Private Spitex-Organisationen haben rasch erkannt, dass sowohl die Ausbildung angehender Pflegekräfte als auch die Betreuung von Senioren attraktive Gewinnmöglichkeiten bieten.

Pflegende Angehörige oder Hilfskräfte sind nach der Ausbildung (ca. CHF 2'000 bis 2'200) bei der Privat-Spitex angestellt und erhalten – je nach Region – einen Bruttolohn von 35 bis 40 CHF pro Stunde. Die Privat-Spitex verrechnet dem Kunden jedoch 80 bis 92 CHF pro Einsatzstunde. Nach Abzug von Sozialleistungen, Quellensteuer, BVG etc. verbleibt also ein Netto-Gewinn von mehr als 40 CHF pro Stunde bei der Organisation.

Das Modell der privaten Spitex steht in der Kritik, weil sie die Bedarfsabklärung selbst vornimmt und dadurch den Umfang der abrechenbaren Leistungen beeinflussen kann, was die Kosten für Gemeinden und Krankenkassen erhöht. Deshalb reagiert die Politik mit Forderungen nach strengeren Kontrollen und verbindlichen Qualitätsstandards.

Hier ein Beispiel aus der Praxis

Ein Kunde benötigt von Montag bis Freitag (ca. 45 Stunden pro Woche) eine umfassende Seniorenbetreuung zu Hause. Die Betreuungsperson hat Samstag und Sonntag frei, es gibt keine Nachtbereitschaft. Ärztlich verordnet sind täglich 2 Stunden Haushaltshilfe sowie 2 Stunden Pflege.

Für diese Betreuungssituation bestehen grundsätzlich zwei mögliche Modelle:

  • Das gängige Modell einer Agentur in Kombination mit einer privaten Spitex.
  • Eine Alternative wie die Betreuung durch Pro Senex.
Leistung Agentur & Spitex (CHF/mt.) Pro Senex (CHF/mt.)
Grundpflege / Pflegehilfe 3'720.00 1'831.33
Haushaltshilfe / Betreuung 7'439.00 3'662.67
Total 11'159.00 5'494.00
Belastung Krankenkasse:
Anteil KK Pflege    2.00 Std/Tag    42.00 Std/Mt. 2'184.00  
Anteil KK Haushalt    2.00 Std/Tag    42.00 Std/Mt. 1'764.00  
Wegpauschale    5.00 pro Einsatz 210.00  
Selbstbehalt 160.65  
  4'158.00  
Betreuungskosten 7'161.65 5'494.00

 

 
Eigenanteil
 
Anteil Krankenkasse

Tandem-Strukturen bringen für Versicherte und Kassen das Risiko deutlich höherer Kosten, mangelnder Transparenz, erhöhten administrativen Aufwands und einer stärkeren Belastung der Solidargemeinschaft. Einfachere, klar strukturierte Modelle können diese Risiken deutlich reduzieren.

Das Modell ist für private Anbieter finanziell lukrativ, aber gesellschaftlich und politisch umstritten wegen hoher Margen und wachsender öffentlicher Kosten.

Dass es auch deutlich einfacher, persönlicher und kosteneffizienter geht, zeigt das Modell Vermittlung. Mit einem klar strukturierten Modell, erfahrenem Betreuungspersonal und ohne komplizierte Doppelverträge bietet dieses Modell eine überzeugende Alternative – sowohl für Pflegebedürftige als auch für deren Angehörige und Prämienzahler der KK.

Das aktuelle System von Privat-Spitex und Tandem-Strukturen begünstigt privatwirtschaftliche Anbieter mit hohen Margen und komplexen Strukturen, was die öffentlichen Gesundheitskosten und die Belastung der Prämienzahler deutlich erhöht. Die ursprüngliche Intention, pflegende Angehörige zu entlasten, droht dabei in den Hintergrund zu geraten.

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Wir beleuchten das Thema über die Kosten des Modells private Spitex und Agentur noch genauer in einem kurzen Podcast mit einer Laufzeit von circa 6:00 Minuten. Hören Sie rein:

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