Die Credit Suisse schätzte bereits 2015, dass bis 2040 fast 20 Milliarden Franken an Investitionen für diese zusätzlichen Betten nötig sind. Neben diesen einmaligen Investitionskosten führen neue Heime auch zu stark steigenden Betriebsausgaben: Bei unveränderter Versorgungspolitik ist mit späteren Mehrkosten von rund 6,4 Milliarden Franken zu rechnen, die hauptsächlich von Kantonen, Gemeinden und Krankenkassen getragen werden müssen.
Das gravierendste Nadelöhr ist jedoch der Mangel an Pflegepersonal. Bis 2030 werden rund 65'000 zusätzliche Pflegefachpersonen benötigt, während aktuell bereits über 11'000 Stellen unbesetzt sind. Gleichzeitig verlassen über 40 Prozent der Pflegenden den Beruf vorzeitig, was die Versorgungskapazität der Alters- und Pflegeheime zusätzlich einschränkt.
Engpässe auch in Fachpersonal und Finanzierung
Selbst wenn genügend Heime gebaut würden, könnten diese ohne ausreichendes Fachpersonal nicht betrieben werden – mit der Folge einer echten Versorgungsknappheit. Die Kantone stehen daher vor einer strategischen Weichenstellung: Sollen vor allem neue stationäre Plätze geschaffen werden oder soll die ambulante und häusliche Versorgung gezielt gestärkt werden?
Studien zeigen, dass sich Milliardeninvestitionen in neue Heime vermeiden lassen, wenn die Alterspflege konsequent umstrukturiert würde. Werden leicht pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren vermehrt zu Hause betreut, kann der zusätzliche Bedarf an stationären Heimplätzen deutlich reduziert werden. Der Investitionsentscheid ist damit nicht nur eine bauliche, sondern vor allem eine gesundheitspolitische und finanzielle Strategiefrage.
Statt primär in teure Neubauten zu investieren, könnte eine bessere Finanzierung der privaten Betreuung zu Hause den Bedarf an stationären Betten wirksam senken. Die Kosten für eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause werden heute überwiegend von privaten Mitteln der Seniorinnen und Senioren getragen, obwohl die häusliche Betreuung – insbesondere bei leicht bis mittel pflegebedürftigen Personen – pro Tag oft günstiger ist als ein Pflegeheimplatz.
Alternative: Die Live-in-Betreuung
Würden die Mittel für die Finanzierung der Betreuung zu Hause nach Einkommen und Vermögen bemessen, analog zu den Ergänzungsleistungen, könnten genau jene Seniorinnen und Senioren entlastet werden, die sich die hohen privaten Kosten für Live-in-Betreuung, Haushaltshilfen oder Entlastungsdienste nicht leisten können. Neben der Qualität der Betreuung spielen dabei vor allem die Kosten sowie die Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität eine zentrale Rolle.
Neben der Qualität der Betreuung spielen dabei vor allem die Kosten sowie die Auswirkungen auf den Alltag und die Lebensqualität eine zentrale Rolle. Ein genauer Blick auf beide Modelle zeigt, dass sich die Ausgaben und die gebotenen Leistungen deutlich unterscheiden – und dass die Betreuung zuhause in vielen Fällen nicht nur eine persönlichere, sondern auch eine kostengünstigere Alternative sein kann:
Ein genauer Vergleich von Heimaufenthalt und Betreuung zu Hause zeigt, dass sich sowohl Ausgaben als auch Leistungen deutlich unterscheiden – und dass die Betreuung im vertrauten Zuhause in vielen Fällen nicht nur eine persönlichere, sondern auch eine gesamtgesellschaftlich kosteneffizientere Lösung darstellt.
Um einer drohenden Versorgungslücke und explodierenden Kosten vorzubeugen, braucht es jetzt ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Betreuung zu Hause. Gefordert ist eine Politik, die ambulante und häusliche Pflege nicht als Ergänzung, sondern als tragende Säule der Altersversorgung versteht – und sie entsprechend gezielt fördert und fair finanziert.